Zusammenarbeiten. Zur Kollektivität des Produzierens in Kunst und Ökonomie

In diesem Projekt analysiere ich Poetiken des Produzierens in Kunst und Wirtschaft im Hinblick auf die Vorstellungen von Kollektivität, die sie explizit thematisieren oder implizit mit ausbilden.

Die Ästhetik, die sich um 1800 im Anschluss an Kants Kritik der Urteilskraft formiert, sieht in der künstlerischen Tätigkeit eine privilegierte, der ‚normalen’ Arbeitstätigkeit überlegene Form des Produzierens. Sie traut ihr jedoch zu, in einer entsprechend veränderten, „poetisierten“ Ökonomie auch die Arbeit zu verwandeln. In einer solchen ästhetisch bestimmten Ökonomie soll dann prinzipiell jeder Arbeitende in den Genuss der schöpferischen Freiheit kommen.

Seit den 1990er Jahren zieht die wirtschaftsnahe Organisationstheorie künstlerische Produktionsweisen als Vorbild oder Inspirationsquelle heran. Das Team von Arbeitenden wird als ein flexibles Kollektiv von „kreativen“ Individuen verstanden. Die postfordistischen Konzepte von Arbeit orientieren sich weniger an einer Gruppenidentität oder Funktionshierarchien mit einem festen Leader. Sie setzen eher auf das dynamische Spiel von Wechselbeziehungen zwischen Arbeitenden. Man erprobt Improvisation im Jazz oder „Jamming“ als Modell für Zusammenarbeit, interpretiert „Schwarmintelligenz“ als „verteilte Kreativität“.

Alternative Formen kollektiven Lebens und produktiver Zusammenarbeit

Parallel denkt man auch in Kunst und Kunsttheorie seit ca. 2000 verstärkt über das Potenzial künstlerischer Arbeit nach, alternative Formen kollektiven Lebens und produktiver Zusammenarbeit zu entwickeln. Dabei wächst bei Künstlern und Theoretikern das Bewusstsein von der Schwierigkeit, Gegenentwürfe kollektiven Lebens und Arbeitens von postfordistischen Workflow-Visionen zu unterscheiden.

Das Projekt will diese widersprüchliche Situation erkunden, in der künstlerische und ökonomische Visionen des Kollektiven einander überlagern. Was sind die Kriterien des Nicht-Ökonomischen für unser Zusammenleben im 21. Jahrhundert?