Die Arbeit, die Kunst und der Tod (Werk).

Der Begriff der Arbeit spielt bis zum Beginn der dreißiger Jahre in den Arbeiten Heideggers keine tragende Rolle. Die Ausnahme sind – aber sind Briefe Arbeiten ? – die Briefe an Hannah Arendt. In ihnen ist ständig von Arbeit die Rede.

Die Arbeit aber steht, privater als alles Private, ganz im Zeichen der Isolation; und es scheint die Geschiedenheit durch Arbeit nicht zu mildern, sondern zu verstärken, dass die Adressatin der Briefe der selben Profession wie ihr Verfasser angehört. Ich lebe in einer Raserei der Arbeit und der Freude auf Dein baldiges Kommen – alles hält sich in der Spannung zwischen Arbeit und Liebe, wenn nicht in ihrem unschlichtbaren Streit. Steht am Ende der Name der Arbeit bereits in den Briefen für die Ökonomie einer Selbstbehauptung – nicht schon der deutschen Universität, aber doch eines Philosophieprofessors gegen eine Passion, in der die Form, der Umriss, die Gestalt des Lebens und des Werks, des Lebens-Werks sich zu verlieren drohen?
Einer Politik der Arbeit als Selbstproduktion und Selbstgestaltung haben sich jedenfalls diejenigen Reden und Vorlesungen Heideggers aus der Zeit des Rektorats verschrieben, in denen der Arbeitsbegriff seinen kurzen philosophischen Auftritt hat. Auf der Grundlage einer sehr aktiven und rasch erledigten Übersetzungsarbeit (téchne ist tätiges Wissen, energeia ist arbeitendes Am-Werk-sein und beider höchste Gestalt ist zuletzt das philosophische Fragen selbst) betreiben zumal die Rektoratsrede und der Aufruf zum Arbeitsdienst die Selbsterhöhung des exaltierten Redners und Rektors dieser hohen Schule zum Arbeiter par excellence. Entsprechend wird in der Logik-Vorlesung von 1934 Arbeit zum Paradigma des In-der-Welt-seins selber. Mit einem Mal scheint Heidegger ganz dem Pathos des Wirkens und Schaffens, Leistens und Vollbringens zu erliegen – er, der doch wie niemand sonst den überlieferten Vorrang der energeia, actualitas, Wirklichkeit unter den Modalitäten des Seins in Frage gestellt und darauf aufmerksam gemacht hat, wie tief in diese ontologischen Bestimmungen ein ungeprüftes Primat des herstellenden Tuns schon eingewandert ist – so tief, dass man kaum bestreiten können wird, dass Jüngers Rede vom totalen Arbeitscharakter alles Wirklichen von sehr langer Hand vorbereitet worden war.
Das Einzelprojekt geht der Frage nach, ob die Fundamental-Ergontologie, von der Werner Hamachers Analyse der erwähnten Schriften spricht, mitsamt der auf ihr lastenden politischen Hypothek sich auch dort behauptet, wo Heidegger nicht mehr von der Arbeit, aber umso mehr von der Kunst spricht. Knüpft nicht an die Rede von der energeia als Am-Werk-sein bruchlos die von der Kunst als dem Ins-Werk-setzen der Wahrheit an?
Die Hypothese, von der ich ausgehen möchte, lautet, dass zwischen beidem und also auch zwischen dem, was im einen und im anderen Fall Werk heißt (ergon, opus), ein Bruch verläuft, wie er abgründiger nicht sein könnte. Wird in der Kunst, wie Der Ursprung des Kunstwerks es will, jene ungegenständliche Offenheit aufgeschlagen, die als Medium aller Formkonstitution nicht ihrerseits Form, Gepräge, Gestalt (morphé, eidos, typos etc.) annehmen kann, dann trägt sich in ihr anderes zu als der sich selbst einrichtende Vorgang der unbedingten Herstellung, das ist Vergegenständlichung alles Wirklichen, in dem Heidegger später das neuzeitliche Wesen der Arbeit namhaft macht. Tatsächlich erweist seine Phänomenologie der Kunst das Ins-Werk-Setzen der Wahrheit, paradox, stets wieder als désœuvrement im doppelten Sinn des Begriffs: Transzendenz über jede geschlossene Werkgestalt und Brachliegen aller Arbeit, Verweigerung jedes Arbeitsdiensts, Außer-Vollzug-Setzen, Epoché.
Damit ist nicht bloß angedeutet, dass die Kunst nicht durchgängig der Logik der Produktion und Selbstproduktion gehorcht, die spätestens seit Hegel und Marx Arbeit heißt. Folgt man Heidegger, so gehört sie vielleicht überhaupt nicht sowohl der Ordnung des Tuns als vielmehr der jenes Lassens an, das im äußersten Abstand zum Furor der Rektoratszeit zum Hauptwort seines Denkens werden sollte – er selbst hat bereits an seinem Kunstwerkaufsatz die Spannung vermerkt, die zwischen ihm, dem Lassen, und dem Setzen besteht, das in der Mitte seiner Definition der Kunst den obersten Begriff der Kantischen und nicht nur der Kantischen Ontologie fortleben lässt.
Nicht soll damit angedeutet werden, Heidegger wolle der vita contemplativa gegenüber der vita activa zu ihrem Recht verhelfen. Der Stoß des Dass-seins, um den seine Überlegungen zum Kunstwerk kreisen, zerschlägt den geordneten Arbeitsbetrieb ebenso wie die Ruhe ästhetischer Kontemplation. Dass in diesem Stoß auch eine Erfahrung des Todes aufgeht, mit ihr aber eine Erfahrung dessen, wovon vielleicht alle Arbeitswut getrieben wird und was doch jeder Arbeitsontologie und allen Theorien der Selbstproduktion das Undenkbare selbst bleibt, bildet den Fluchtpunkt des hier vorgestellten Arbeitsprojekts.
Die Revision des Werkbegriffs, in der die Spannung zwischen Kunst und Arbeit nur ausgetragen werden kann, soll im Rekurs nicht nur auf Heidegger, sondern auch auf eine Reihe kantischer Distinktionen und schließlich auf Überlegungen durchgeführt werden, die im Umkreis der Begriffe des contre-œuvre und des désœuvrement von Paul Valéry und von Maurice Blanchot vorgetragen worden sind.

Die Arbeit aber steht, privater als alles Private, ganz im Zeichen der Isolation; und es scheint die Geschiedenheit durch Arbeit nicht zu mildern, sondern zu verstärken, dass die Adressatin der Briefe der selben Profession wie ihr Verfasser angehört. Ich lebe in einer Raserei der Arbeit und der Freude auf Dein baldiges Kommen – alles hält sich in der Spannung zwischen Arbeit und Liebe, wenn nicht in ihrem unschlichtbaren Streit. Steht am Ende der Name der Arbeit bereits in den Briefen für die Ökonomie einer Selbstbehauptung – nicht schon der deutschen Universität, aber doch eines Philosophieprofessors gegen eine Passion, in der die Form, der Umriss, die Gestalt des Lebens und des Werks, des Lebens-Werks sich zu verlieren drohen?

Mit einem Mal scheint Heidegger ganz dem Pathos des Wirkens und Schaffens, Leistens und Vollbringens zu erliegen.

Einer Politik der Arbeit als Selbstproduktion und Selbstgestaltung haben sich jedenfalls diejenigen Reden und Vorlesungen Heideggers aus der Zeit des Rektorats verschrieben, in denen der Arbeitsbegriff seinen kurzen philosophischen Auftritt hat. Auf der Grundlage einer sehr aktiven und rasch erledigten Übersetzungsarbeit (téchne ist tätiges Wissen, energeia ist arbeitendes Am-Werk-sein und beider höchste Gestalt ist zuletzt das philosophische Fragen selbst) betreiben zumal die Rektoratsrede und der Aufruf zum Arbeitsdienst die Selbsterhöhung des exaltierten Redners und Rektors dieser hohen Schule zum Arbeiter par excellence. Entsprechend wird in der Logik-Vorlesung von 1934 Arbeit zum Paradigma des In-der-Welt-seins selber. Mit einem Mal scheint Heidegger ganz dem Pathos des Wirkens und Schaffens, Leistens und Vollbringens zu erliegen – er, der doch wie niemand sonst den überlieferten Vorrang der energeia, actualitas, Wirklichkeit unter den Modalitäten des Seins in Frage gestellt und darauf aufmerksam gemacht hat, wie tief in diese ontologischen Bestimmungen ein ungeprüftes Primat des herstellenden Tuns schon eingewandert ist – so tief, dass man kaum bestreiten können wird, dass Jüngers Rede vom totalen Arbeitscharakter alles Wirklichen von sehr langer Hand vorbereitet worden war.

Das Einzelprojekt geht der Frage nach, ob die Fundamental-Ergontologie, von der Werner Hamachers Analyse der erwähnten Schriften spricht, mitsamt der auf ihr lastenden politischen Hypothek sich auch dort behauptet, wo Heidegger nicht mehr von der Arbeit, aber umso mehr von der Kunst spricht. Knüpft nicht an die Rede von der energeia als Am-Werk-sein bruchlos die von der Kunst als dem Ins-Werk-setzen der Wahrheit an?

Die Hypothese, von der ich ausgehen möchte, lautet, dass zwischen beidem und also auch zwischen dem, was im einen und im anderen Fall Werk heißt (ergon, opus), ein Bruch verläuft, wie er abgründiger nicht sein könnte. Wird in der Kunst, wie Der Ursprung des Kunstwerks es will, jene ungegenständliche Offenheit aufgeschlagen, die als Medium aller Formkonstitution nicht ihrerseits Form, Gepräge, Gestalt (morphé, eidos, typos etc.) annehmen kann, dann trägt sich in ihr anderes zu als der sich selbst einrichtende Vorgang der unbedingten Herstellung, das ist Vergegenständlichung alles Wirklichen, in dem Heidegger später das neuzeitliche Wesen der Arbeit namhaft macht. Tatsächlich erweist seine Phänomenologie der Kunst das Ins-Werk-Setzen der Wahrheit, paradox, stets wieder als désœuvrement im doppelten Sinn des Begriffs: Transzendenz über jede geschlossene Werkgestalt und Brachliegen aller Arbeit, Verweigerung jedes Arbeitsdiensts, Außer-Vollzug-Setzen, Epoché.

Damit ist nicht bloß angedeutet, dass die Kunst nicht durchgängig der Logik der Produktion und Selbstproduktion gehorcht, die spätestens seit Hegel und Marx Arbeit heißt. Folgt man Heidegger, so gehört sie vielleicht überhaupt nicht sowohl der Ordnung des Tuns als vielmehr der jenes Lassens an, das im äußersten Abstand zum Furor der Rektoratszeit zum Hauptwort seines Denkens werden sollte – er selbst hat bereits an seinem Kunstwerkaufsatz die Spannung vermerkt, die zwischen ihm, dem Lassen, und dem Setzen besteht, das in der Mitte seiner Definition der Kunst den obersten Begriff der Kantischen und nicht nur der Kantischen Ontologie fortleben lässt.

Nicht soll damit angedeutet werden, Heidegger wolle der vita contemplativa gegenüber der vita activa zu ihrem Recht verhelfen. Der Stoß des Dass-seins, um den seine Überlegungen zum Kunstwerk kreisen, zerschlägt den geordneten Arbeitsbetrieb ebenso wie die Ruhe ästhetischer Kontemplation. Dass in diesem Stoß auch eine Erfahrung des Todes aufgeht, mit ihr aber eine Erfahrung dessen, wovon vielleicht alle Arbeitswut getrieben wird und was doch jeder Arbeitsontologie und allen Theorien der Selbstproduktion das Undenkbare selbst bleibt, bildet den Fluchtpunkt des hier vorgestellten Arbeitsprojekts.

Die Revision des Werkbegriffs, in der die Spannung zwischen Kunst und Arbeit nur ausgetragen werden kann, soll im Rekurs nicht nur auf Heidegger, sondern auch auf eine Reihe kantischer Distinktionen und schließlich auf Überlegungen durchgeführt werden, die im Umkreis der Begriffe des contre-œuvre und des désœuvrement von Paul Valéry und von Maurice Blanchot vorgetragen worden sind.