Das Projekt stellt die Frage nach der spezifischen Rolle von Farbe als Werkstoff im Wandel des (künstlerischen) Produktionsverständnisses im 19. und 20. Jahrhundert, es untersucht das Verhältnis von Farbe und Produktionsökonomie.
Exemplarisch widmen wir uns drei Bereichen, in denen Relationen von Kunst, Arbeit, Autonomie und Verwertbarkeit in besonderem Maß anhand des Einsatzes von Farbe verhandelt wurden: der Malerei des Impressionismus/Postimpressionismus, dem abstrakten Expressionismus und dem postklassische Kino der sechziger bis achtziger Jahre, das Farbe zu einem genrereflexiven Topos erhob.
Das Material Farbe und die historischen Konzepte von Farbeinsatz scheinen in mehrfacher Hinsicht für die Diskussion des Verhältnisses von Kunst und Arbeit ergiebig. Die Materialisierung des geistigen Entwurfs, der Idea, die in platonischer Tradition der frühneuzeitlichen Kunsttheorie als höchste Auszeichnung des künstlerischen Menschen galt, ist in der Malerei unmittelbar mit der manuellen Ver- und Bearbeitung von Farbe verknüpft. Der in der Kunsttheorie dem Konzept geistigen Schaffens unterstellte Künstler bleibt im Alltag des Ateliers an Bedingungen und Eigenschaften seines Werkstoffs gebunden, dieser ist Signum und Prüfstein künstlerischer Handfertigkeit. Zugleich ist die Farbschicht Speicher von Spuren der Produktion, einer ‚Berührung‘ des Künstlers.
In solcher Weise mythisch aufgeladen, bildet die Faktur nicht nur die optische, sondern auch die haptische Schwelle, an der Bild, Produzent und Betrachter aufeinandertreffen. Die Formbarkeit des Farbmaterials evozierte in Analogie zur biologischen Zeugungskraft bisweilen auch die Vorstellung künstlerischer Potenz, die vermag, aus passiver Materie ‚Lebendiges‘ zu schaffen. Eine zentrale Überlegung des Projekts gilt also der produktionstechnischen bzw. -ästhetischen Seite der Farbverarbeitung und den damit verbundenen Produktionsmythen.
Ein weiteres Augenmerk liegt auf Verschiebungen innerhalb der Produktion, die durch Korrelationen von Kunst und Ökonomie bedingt waren und sind. Farbe/Farbverarbeitung sind Faktoren künstlerischer Arbeit, auf die produktionsökonomische Entwicklungen der Industrie unmittelbare Auswirkungen zeitigten. So brachte etwa die Ablöse des aufwändigen handwerklichen Prozesses historischer Farbgewinnung durch die industrielle Verarbeitung der Farbe als Fertigprodukt (z. B. als Tubenfarbe) nachhaltige Veränderungen der künstlerischen Praxis und produktionsästhetischer Konzepte mit sich.
Weiterhin ist zu fragen, wie sich die Bedeutung von Farbe in historischen Verwertungs- und Distributionszusammenhängen auf das künstlerische Schaffen auswirkte: Pigmente waren teilweise nicht nur sehr teuer und insofern Luxusgüter, sondern auch Ware globaler Handelsbeziehungen. Solche ökonomischen Rahmenbedingungen setzten ein kollektives (Künstler-)Wissen um Farbe in ihrer Rolle für materielle und symbolische Wertproduktion voraus. Vor diesem Hintergrund schuf die Industrialisierung die Voraussetzungen nicht nur einer Flexibilisierung künstlerischer Prozesse, sondern auch einer – vordergründigen – Demokratisierung, da die kostengünstigeren künstlichen Pigmente einfach zu handhaben und so z. B. Werkstattverbände arbeitstechnisch nicht mehr notwendig waren. Diese Veränderungen hatten nicht nur Auswirkungen auf die Produktionsökonomien, sondern freilich auch auf das Produktionsverständnis.
Als Arbeitsthese möchten wir formulieren, dass diese Prozesse maßgeblich eine (etwa in der venezianischen Malerei schon angelegte) Aufwertung der Farbe zu einer autonomen Kategorie (i. S. einer Loslösung von Gegenstandsbezogenheit) forcierten. Zugleich erfuhr Farbe jedoch in ihrer ‚Funktionalisierung‘ und als technisch (re-)produzierbare Größe Abwertung. Anhand des Untersuchungsgegenstands ‚Farbe‘ lassen sich Entwicklungen aufzeigen, die beitrugen, ein international übergreifendes Produktions- und Distributionssystem ‚Kunst’ zu etablieren und darin explizit auf industrielle Bedingungen und Standards zu reagieren, die Kunst also in eine fortgeschrittene kapitalistische Organisation von Arbeit zu integrieren – Entwicklungen, die in der Forschung bislang zumeist ausschließlich mit den ‚neuen‘ Medien Fotografie und Film verbunden wurden.
Exemplarisch widmen wir uns drei Bereichen, in denen Relationen von Kunst, Arbeit, Autonomie und Verwertbarkeit in besonderem Maß anhand des Einsatzes von Farbe verhandelt wurden: der Malerei des Impressionismus/Postimpressionismus, dem abstrakten Expressionismus und dem postklassische Kino der sechziger bis achtziger Jahre, das Farbe zu einem genrereflexiven Topos erhob.
Das Material Farbe und die historischen Konzepte von Farbeinsatz scheinen in mehrfacher Hinsicht für die Diskussion des Verhältnisses von Kunst und Arbeit ergiebig. Die Materialisierung des geistigen Entwurfs, der Idea, die in platonischer Tradition der frühneuzeitlichen Kunsttheorie als höchste Auszeichnung des künstlerischen Menschen galt, ist in der Malerei unmittelbar mit der manuellen Ver- und Bearbeitung von Farbe verknüpft. Der in der Kunsttheorie dem Konzept geistigen Schaffens unterstellte Künstler bleibt im Alltag des Ateliers an Bedingungen und Eigenschaften seines Werkstoffs gebunden, dieser ist Signum und Prüfstein künstlerischer Handfertigkeit. Zugleich ist die Farbschicht Speicher von Spuren der Produktion, einer ‚Berührung‘ des Künstlers.
Aus passiver Materie ‚Lebendiges‘ schaffen
In solcher Weise mythisch aufgeladen, bildet die Faktur nicht nur die optische, sondern auch die haptische Schwelle, an der Bild, Produzent und Betrachter aufeinandertreffen. Die Formbarkeit des Farbmaterials evozierte in Analogie zur biologischen Zeugungskraft bisweilen auch die Vorstellung künstlerischer Potenz, die vermag, aus passiver Materie ‚Lebendiges‘ zu schaffen. Eine zentrale Überlegung des Projekts gilt also der produktionstechnischen bzw. -ästhetischen Seite der Farbverarbeitung und den damit verbundenen Produktionsmythen.
Ein weiteres Augenmerk liegt auf Verschiebungen innerhalb der Produktion, die durch Korrelationen von Kunst und Ökonomie bedingt waren und sind. Farbe/Farbverarbeitung sind Faktoren künstlerischer Arbeit, auf die produktionsökonomische Entwicklungen der Industrie unmittelbare Auswirkungen zeitigten. So brachte etwa die Ablöse des aufwändigen handwerklichen Prozesses historischer Farbgewinnung durch die industrielle Verarbeitung der Farbe als Fertigprodukt (z. B. als Tubenfarbe) nachhaltige Veränderungen der künstlerischen Praxis und produktionsästhetischer Konzepte mit sich.
Weiterhin ist zu fragen, wie sich die Bedeutung von Farbe in historischen Verwertungs- und Distributionszusammenhängen auf das künstlerische Schaffen auswirkte: Pigmente waren teilweise nicht nur sehr teuer und insofern Luxusgüter, sondern auch Ware globaler Handelsbeziehungen. Solche ökonomischen Rahmenbedingungen setzten ein kollektives (Künstler-)Wissen um Farbe in ihrer Rolle für materielle und symbolische Wertproduktion voraus. Vor diesem Hintergrund schuf die Industrialisierung die Voraussetzungen nicht nur einer Flexibilisierung künstlerischer Prozesse, sondern auch einer – vordergründigen – Demokratisierung, da die kostengünstigeren künstlichen Pigmente einfach zu handhaben und so z. B. Werkstattverbände arbeitstechnisch nicht mehr notwendig waren. Diese Veränderungen hatten nicht nur Auswirkungen auf die Produktionsökonomien, sondern freilich auch auf das Produktionsverständnis.
Aufwertung der Farbe zu einer autonomen Kategorie
Als Arbeitsthese möchten wir formulieren, dass diese Prozesse maßgeblich eine (etwa in der venezianischen Malerei schon angelegte) Aufwertung der Farbe zu einer autonomen Kategorie (i. S. einer Loslösung von Gegenstandsbezogenheit) forcierten. Zugleich erfuhr Farbe jedoch in ihrer ‚Funktionalisierung‘ und als technisch (re-)produzierbare Größe Abwertung. Anhand des Untersuchungsgegenstands ‚Farbe‘ lassen sich Entwicklungen aufzeigen, die beitrugen, ein international übergreifendes Produktions- und Distributionssystem ‚Kunst’ zu etablieren und darin explizit auf industrielle Bedingungen und Standards zu reagieren, die Kunst also in eine fortgeschrittene kapitalistische Organisation von Arbeit zu integrieren – Entwicklungen, die in der Forschung bislang zumeist ausschließlich mit den ‚neuen‘ Medien Fotografie und Film verbunden wurden.