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	<title>Kunst und Arbeit &#187; Projekt</title>
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	<description>Zum Verhältnis von Ästhetik und Arbeitsanthropologie vom 18. bis zum 21. Jahrhundert</description>
	<lastBuildDate>Mon, 24 Oct 2011 15:55:38 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Thematische Vorstellung des Netzwerks</title>
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		<pubDate>Sat, 03 Oct 2009 11:31:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Projekt]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Begriffe Kunst und Arbeit bezeichnen zwei Felder, deren Wechselwirkung das Zeitalter der Moderne maßgeblich geprägt hat. Eine zentrale These des Netzwerks ist, dass diese Interdependenz einen ausgezeichneten Zugang zum Verständnis von Produktivität und Produktion in der Moderne biete]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="margin: 0.0px 0.0px 0.0px 0.0px; line-height: 14.0px; font: 11.0px Arial;">
<div id="_mcePaste" style="position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px; overflow-x: hidden; overflow-y: hidden;">2.1 Thematische Vorstellung des Netzwerkes</div>
<div id="_mcePaste" style="position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px; overflow-x: hidden; overflow-y: hidden;">Die Begriffe Kunst und Arbeit bezeichnen zwei Felder, deren Wechselwirkung das Zeitalter der Moderne maßgeblich geprägt hat. Eine zentrale These des Netzwerks ist, dass diese Interdependenz einen ausgezeichneten Zugang zum Verständnis von Produktivität und Produktion in der Moderne bietet. Weder die Herausbildung der neuzeitlichen Arbeitsanthropologie, in der Arbeit zur Wesensbestimmung des Menschen schlechthin wird, noch die Krise dieser anthropologischen Konzeption und die mit ihr verbundene Krise moderner Subjektivität sind ohne den Rekurs auf die Künste zu verstehen.</div>
<div id="_mcePaste" style="position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px; overflow-x: hidden; overflow-y: hidden;">Die besondere Rolle künstlerischer Produktion liegt in ihren Möglichkeiten struktureller Mehrfachcodierung. Ausgezeichnet als Form des Schöpferischen ist sie die höchste Erfüllung dessen, was sich mit dem Begriff der Arbeit in der Neuzeit verbindet. Ihr wird eine paradigmatische Funktion für die Definition von Arbeit zugeschrieben. Zugleich war ihr Status als Arbeit immer wieder infragegestellt, da sie als Ideal kreativen Schaffens per se den alternativen Gegenentwurf zur Arbeit zu bilden scheint – einen Gegenentwurf, der gerade in jüngster Zeit wiederum durch die Übernahme von Begriffen wie Kreativität, Inszenierung etc. in das Arbeitsparadigma reintegriert werden soll und so geradezu Modellcharakter für einen zeitgenössischen Begriff von Arbeit erlangt.</div>
<div id="_mcePaste" style="position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px; overflow-x: hidden; overflow-y: hidden;">Die Kunst bietet von der antiken vita contemplativa über die Formel vom „interesselosen Wohlgefallen“ bis hin zu Formen der Kritik, der Parodie und des Spiels den Ort für Möglichkeiten der An-Ökonomie, der Unterbrechung des und der Alternative zum Ökonomischen. Als wesentlich selbstreflexiv korrespondiert Kunst mit der Autoreflexivität moderner Arbeitsstrukturen. Ihre Selbstreflexivität zwingt – ungeachtet einer möglichen thematischen Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Formen der Arbeit – jedes Kunstwerk in ein Verhältnis zu seinem eigenen Produziertsein, macht Aussagen über den Prozess und das Produkt der Herstellung, demonstriert und vollzieht performativ seine eigene Gemachtheit. In dieser Weise mehrfachcodiert, lässt sich „Arbeit“ durch die Analyse künstlerischer Produktion zugleich von innen wie von außen befragen; die Kunst wird zu einem Grenzbegriff, der von Partizipation an und Opposition zur Arbeit geprägt ist. Arbeit und Kunst bilden in dieser Perspektive keine homogenen Bereiche, die sich bloß mimetisch oder kritisch aufeinander beziehen ließen, sondern benennen eine Reihe von Übertragungsformationen zwischen verschiedenen Diskursen, die an der Konfiguration des Wissens vom „modernen Menschen als homo oeconomicus“ beteiligt sind.</div>
<div id="_mcePaste" style="position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px; overflow-x: hidden; overflow-y: hidden;">Das Netzwerk versteht es als sein zentrales Forschungsanliegen, ausgehend von der Mehrfachcodierung des Ästhetischen diese Anordnungen und Übertragungskonstellationen für die Analyse der Ausbildung und Entwicklung moderner Arbeitsanthropologie im Zeitraum vom Ende des 18. bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts sowohl in systematischer als auch in historischer Hinsicht nutzbar zu machen. Folgende Untersuchungsfelder lassen sich skizzieren:</div>
<div id="_mcePaste" style="position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px; overflow-x: hidden; overflow-y: hidden;">1) Entgrenzung und Verzeitlichung</div>
<div id="_mcePaste" style="position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px; overflow-x: hidden; overflow-y: hidden;">Entgrenzung und Verzeitlichung kennzeichnen sowohl die Entstehungsphase des modernen Arbeitsbegriffs um 1800 als auch seine Krise am Beginn des 20. Jahrhunderts. Der Übergang von einer antiken Ökonomie mit der Orientierung an Bedürfnisbefriedigung zu einer politischen Nationalökonomie mit der Orientierung an Bedürfnissteigerung und einer Idee fortschreitender Expansion, Beschleunigung und Verzeitlichung beförderte die Herausbildung des modernen Arbeitsparadigmas und machte sowohl die Arbeit als auch den arbeitenden Menschen zu Zielen umfassender temporaler und räumlicher Regularien, Kontrollsysteme und Disziplinierungsmaßnahmen. Entgrenzungs- und Verzeitlichungsprozesse betreffen nicht nur die Produktion, sondern vor allen Dingen auch den Körper des sich als arbeitendes Wesen definierenden Menschen.</div>
<div id="_mcePaste" style="position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px; overflow-x: hidden; overflow-y: hidden;">Parallel dazu entwickelt sich das Konzept moderner Werkästhetik, in der sich der Mensch durch Arbeit als autonomes Wesen im Kunstwerk allererst selbst herstellt, in Ablösung vom Nachahmungsparadigma und seiner Repetitionsstruktur im Rahmen einer umfassenden Verzeitlichung und Historisierung der Kunst. Die Hervorbringung eines genuin „Neuen“, das dadurch möglich scheint, zielt nicht zuletzt auf die Illusion, über die Mittel zur Erzeugung selbständiger, lebendiger, autonomer Körper zu verfügen.</div>
<div id="_mcePaste" style="position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px; overflow-x: hidden; overflow-y: hidden;">Auch die Krise der Arbeitsanthropologie firmiert ebenso wie der ihr korrespondierende Befund vom „Ende der Werkästhetik“ im 20. Jahrhundert unter Begriffen wie Entgrenzung, Globalisierung und Totalisierung. Weder die Kunst noch die Arbeitsprozesse lassen sich noch adäquat als geschlossene, klar umrissene Produktionsprozesse mit dem Ziel der Herstellung von Werken/Gegenständen definieren. Die Entgrenzung wirkt nicht nur innerhalb der beiden Diskurse, sondern organisiert auch ihr Verhältnis. Es ist eine umfassende Ästhetisierung der Lebenswelt zu beobachten, die Arbeitswelt übernimmt Konzepte und Begrifflichkeiten der Kunst. War der Künstler am Beginn der Entstehung der modernen Arbeitsanthropologie noch der idealistische Gegenentwurf einer privilegierten, von äußeren Zwängen befreiten Arbeit, werden Teile der Lohnarbeit jetzt nach den Maßstäben des künstlerischen Schaffensprozesses organisiert.</div>
<div id="_mcePaste" style="position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px; overflow-x: hidden; overflow-y: hidden;">Vor dem Hintergrund dieser Verschränkungen lassen sich folgende Leitfragen formulieren: Auf welche Weise wirkt Kunst jeweils an den Entgrenzungs- und Verzeitlichungsstrategien der Arbeit mit? Welche alternativen Zeitmodelle entwickelt sie – etwa „zugunsten des Müßiggangs“, als Ent-schleunigung, Rhythmisierung, Unterbrechung? In welcher Weise greift sie die Wiederholungs- und Automatisierungstendenzen moderner Arbeitsprozesse auf und integriert sie in ästhetische Selbstinszenierungen? Und inwieweit lassen sich dabei Korrespondenzen und Korrelationen ausmachen zwischen den ästhetischen Strategien um 1800 und einer Reflexion der Krise nach 1900 – etwa hinsichtlich einer Anthropologie der Leiblichkeit, einer Be- und Entgrenzung der Körper in Bezug auf ihr Verhältnis zum Raum und ihre Definition in der Zeit?</div>
<div id="_mcePaste" style="position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px; overflow-x: hidden; overflow-y: hidden;">2) Arbeit, Autorschaft und Biopolitik</div>
<div id="_mcePaste" style="position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px; overflow-x: hidden; overflow-y: hidden;">Am Beginn der modernen Arbeitsanthropologie wie der modernen Werkästhetik steht die Idee der Selbstverwirklichung und Selbsterzeugung des Menschen durch Arbeit. Was sich in Abkehr vom christlichen Paradigma der Arbeit als Strafe in Folge des Sündenfalls bereits in der Renaissance abzeichnet, rückt um 1800 ins Zentrum des Arbeitsbegriffs: Originäre Schöpfung und souveräne Zeugung werden zum Inbegriff der Arbeit, und der Künstler als „Original-Genie“ wird zum Paradigma des autonomen, selbstbestimmten Individuums. Der Künstler und der Schaffensprozess lehnen sich dabei nicht nur an religiöse Schöpfermythen an, sondern greifen auch auf Semantiken der Biologie zurück. Der ästhetische Arbeitsbegriff wird durch die Verwendung des semantischen Felds der Zeugung naturalisiert und soll von technischen Herstellungsverfahren abgegrenzt werden: Die Autorschaft des autonomen Künstlers sei souveräne Zeugung eines lebendigen Körpers, nicht mechanische Herstellung künstlicher Automaten. Vorstellungen von Zeugung und Geburt treten an die Stelle von Fertigung und Produktion. Das ‚männlich’ konnotierte Feld der Arbeit korreliert auf diese Weise mit dem ‚weiblich’ konnotierten Feld biologischer Reproduktion, wobei bis ins 19. Jahrhundert der aktive Anteil an der Zeugung allein dem Mann zugestanden wurde. Begleitet wird dieser Naturalisierungsprozess von einer zunehmenden Pathologisierung des Müßiggangs als dem ästhetischen Alternativmodell zum Arbeitsparadigma. Unter Rückgriff auf die negativ konnotierten Ausformungen des Müßiggangs in antiken und mittelalterlichen Melancholie- und Acedia-Konzepten wird der naturhaften Erzeugung des lebendigen Kunstkörpers der krank- und wahnhafte Müßiggang gegenübergestellt. Diese doppelte Überlagerung des Arbeitsparadigmas mit dem semantischen Feld der Biologie im Rahmen der Ästhetik seit 1800 wird auch für die Krise des Arbeitsbegriffs im 20. Jh. wieder relevant. Das Ende der Werkästhetik ist begleitet vom „Tod des Autors“, d.h. vom Ende des Selbstschöpfungsmythos, der den Künstler zum vorbildlichen autonomen Subjekt stilisiert hat.</div>
<div id="_mcePaste" style="position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px; overflow-x: hidden; overflow-y: hidden;">Parallel zum Autonomiediskurs zeichnet sich bereits ab dem Ende des 18. Jh. eine Übertragung/Erweiterung dieses Selbstschöpfungsmythos auf den Bereich moderner Biopolitik ab. Die Frage der Macht über das Leben wandelt sich im Verlauf der Moderne immer mehr zu der Frage nach der Macht, Leben herzustellen bzw. zu steigern, zu intensivieren und ‚qualitativ’ zu optimieren. Es ist zu untersuchen, in welcher Weise die Verschränkung von Gouvernementalität und Ökonomie hier auf ein in der Kunst vorgeprägtes Paradigma zurückgreift, bzw. inwieweit Kunst und politische Ökonomie im Wechselspiel dieses neue Wissen vom Menschen konfigurieren.</div>
<div id="_mcePaste" style="position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px; overflow-x: hidden; overflow-y: hidden;">3) Ästhetik, Arbeit und die Gestaltung von Kollektiven</div>
<div id="_mcePaste" style="position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px; overflow-x: hidden; overflow-y: hidden;">Moderne Arbeitsanthropologie und Autonomieästhetik verbinden sich über die gemeinsame Idee der selbstbestimmten, freien Gestaltung des Werkes, das als Werk denjenigen, der es schafft, seinerseits als freies Subjekt konstituiert. Diese Idee der befreienden Selbstkonstitution betrifft seit dem 18. Jahrhundert nicht nur den schaffenden Künstler, sondern wird auch auf seine Übertragbarkeit auf andere gesellschaftliche Bereiche und Produktionsformen überprüft. Das ästhetische Konzept der freien, selbstbestimmten Gestaltung wird so zum Leitfaden unterschiedlichster politischer Programme. Der „ästhetischen Erziehung des Menschen“ mit ihrem bürgerlich-liberalen Freiheitsideal und der marxistischen Redefinition des Arbeiters als politisches Subjekt der Emanzipation stehen die faschistische Politik der umfassenden Erzeugung und Gestaltung des Staats- und Volkskörpers als homogenes Werk durch die Aneignung und Einverleibung und/oder die Exklusion und die Auslöschung des Fremden entgegen.</div>
<div id="_mcePaste" style="position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px; overflow-x: hidden; overflow-y: hidden;">Im späten 20. und 21. Jh. entstehen im Zuge der Übertragung künstlerischer Produktionsformen auf Prozesse des Zusammenarbeitens und -lebens in Wirtschaft und Gesellschaft wiederum neue Debatten über Kollektivität und damit auch neue Ansätze für die politische Theorie und Praxis. Reflexionen und Definitionen der künstlerischen Arbeit im Sinn einer sozialen, „relationalen Ästhetik“ (Bourriaud) beeinflussen Verständnis und Gestaltung von Politik: Offene, dynamische Kollektive gewinnen an Prominenz gegenüber Institutionen und festen Strukturen; die dezentrale, kollektive „Kreativität“ des Findens lokal und zeitlich spezifischer Lösungen etabliert sich als Leitwert, während generalisierende, sich durch den Bezug zur Einheit eines Ganzen oder die Allgemeinheit eines Verfahrens legitimierende Modelle des politischen Entscheidens in eine Krise geraten.</div>
<div id="_mcePaste" style="position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px; overflow-x: hidden; overflow-y: hidden;">Das Netzwerk untersucht die unterschiedlichen Orientierungsfunktionen des ästhetischen Herstellungsparadigmas für gesellschaftliche und politische Prozesse. Gefragt wird zum einen historisch nach der Rolle eines am Ästhetischen ausgerichteten Arbeitsbegriffs für totalitäre Herrschaftsentwürfe und für deren Kritik. So lässt sich etwa im Rahmen ontologischer, typologischer und morphologischer Konzeptionen bei Heidegger und Jünger eine Verbindung von Arbeit und Kunst über die Idee der Gestaltung und Formung finden. Umgekehrt erfolgt der kritische Umgang mit dem Faschismus im Rahmen psychoanalytischer Arbeitskonzepte in Form von „Auf- und Durcharbeiten“ sowie unter Rückgriff auf die um 1800 etablierten Konzepte von Bildung und Erziehung. Zum anderen sollen aktuelle Tendenzen in der postfordistischen Organisation von Arbeit und Leben daraufhin befragt werden, welche neuen Formen der Ästhetisierung von Ökonomie und Politik sich im 21. Jahrhundert ausbilden.</div>
<p>Weder die Herausbildung der neuzeitlichen Arbeitsanthropologie, in der Arbeit zur Wesensbestimmung des Menschen schlechthin wird, noch die Krise dieser anthropologischen Konzeption und die mit ihr verbundene Krise moderner Subjektivität sind ohne den Rekurs auf die Künste zu verstehen.</p>
<p>Die besondere Rolle künstlerischer Produktion liegt in ihren Möglichkeiten struktureller Mehrfachcodierung. Ausgezeichnet als Form des Schöpferischen ist sie die höchste Erfüllung dessen, was sich mit dem Begriff der Arbeit in der Neuzeit verbindet. Ihr wird eine paradigmatische Funktion für die Definition von Arbeit zugeschrieben. Zugleich war ihr Status als Arbeit immer wieder infragegestellt, da sie als Ideal kreativen Schaffens per se den alternativen Gegenentwurf zur Arbeit zu bilden scheint – einen Gegenentwurf, der gerade in jüngster Zeit wiederum durch die Übernahme von Begriffen wie Kreativität, Inszenierung etc. in das Arbeitsparadigma reintegriert werden soll und so geradezu Modellcharakter für einen zeitgenössischen Begriff von Arbeit erlangt.</p>
<p>Die Kunst bietet von der antiken vita contemplativa über die Formel vom „interesselosen Wohlgefallen“ bis hin zu Formen der Kritik, der Parodie und des Spiels den Ort für Möglichkeiten der An-Ökonomie, der Unterbrechung des und der Alternative zum Ökonomischen. Als wesentlich selbstreflexiv korrespondiert Kunst mit der Autoreflexivität moderner Arbeitsstrukturen. Ihre Selbstreflexivität zwingt – ungeachtet einer möglichen thematischen Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Formen der Arbeit – jedes Kunstwerk in ein Verhältnis zu seinem eigenen Produziertsein, macht Aussagen über den Prozess und das Produkt der Herstellung, demonstriert und vollzieht performativ seine eigene Gemachtheit. In dieser Weise mehrfachcodiert, lässt sich „Arbeit“ durch die Analyse künstlerischer Produktion zugleich von innen wie von außen befragen; die Kunst wird zu einem Grenzbegriff, der von Partizipation an und Opposition zur Arbeit geprägt ist. Arbeit und Kunst bilden in dieser Perspektive keine homogenen Bereiche, die sich bloß mimetisch oder kritisch aufeinander beziehen ließen, sondern benennen eine Reihe von Übertragungsformationen zwischen verschiedenen Diskursen, die an der Konfiguration des Wissens vom „modernen Menschen als homo oeconomicus“ beteiligt sind.</p>
<p>Das Netzwerk versteht es als sein zentrales Forschungsanliegen, ausgehend von der Mehrfachcodierung des Ästhetischen diese Anordnungen und Übertragungskonstellationen für die Analyse der Ausbildung und Entwicklung moderner Arbeitsanthropologie im Zeitraum vom Ende des 18. bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts sowohl in systematischer als auch in historischer Hinsicht nutzbar zu machen. Folgende Untersuchungsfelder lassen sich skizzieren:</p>
<h2 id="entgrenzung">1) Entgrenzung und Verzeitlichung</h2>
<p>Entgrenzung und Verzeitlichung kennzeichnen sowohl die Entstehungsphase des modernen Arbeitsbegriffs um 1800 als auch seine Krise am Beginn des 20. Jahrhunderts. Der Übergang von einer antiken Ökonomie mit der Orientierung an Bedürfnisbefriedigung zu einer politischen Nationalökonomie mit der Orientierung an Bedürfnissteigerung und einer Idee fortschreitender Expansion, Beschleunigung und Verzeitlichung beförderte die Herausbildung des modernen Arbeitsparadigmas und machte sowohl die Arbeit als auch den arbeitenden Menschen zu Zielen umfassender temporaler und räumlicher Regularien, Kontrollsysteme und Disziplinierungsmaßnahmen. Entgrenzungs- und Verzeitlichungsprozesse betreffen nicht nur die Produktion, sondern vor allen Dingen auch den Körper des sich als arbeitendes Wesen definierenden Menschen.</p>
<p>Parallel dazu entwickelt sich das Konzept moderner Werkästhetik, in der sich der Mensch durch Arbeit als autonomes Wesen im Kunstwerk allererst selbst herstellt, in Ablösung vom Nachahmungsparadigma und seiner Repetitionsstruktur im Rahmen einer umfassenden Verzeitlichung und Historisierung der Kunst. Die Hervorbringung eines genuin „Neuen“, das dadurch möglich scheint, zielt nicht zuletzt auf die Illusion, über die Mittel zur Erzeugung selbständiger, lebendiger, autonomer Körper zu verfügen.</p>
<p>Auch die Krise der Arbeitsanthropologie firmiert ebenso wie der ihr korrespondierende Befund vom „Ende der Werkästhetik“ im 20. Jahrhundert unter Begriffen wie Entgrenzung, Globalisierung und Totalisierung. Weder die Kunst noch die Arbeitsprozesse lassen sich noch adäquat als geschlossene, klar umrissene Produktionsprozesse mit dem Ziel der Herstellung von Werken/Gegenständen definieren. Die Entgrenzung wirkt nicht nur innerhalb der beiden Diskurse, sondern organisiert auch ihr Verhältnis. Es ist eine umfassende Ästhetisierung der Lebenswelt zu beobachten, die Arbeitswelt übernimmt Konzepte und Begrifflichkeiten der Kunst. War der Künstler am Beginn der Entstehung der modernen Arbeitsanthropologie noch der idealistische Gegenentwurf einer privilegierten, von äußeren Zwängen befreiten Arbeit, werden Teile der Lohnarbeit jetzt nach den Maßstäben des künstlerischen Schaffensprozesses organisiert.</p>
<p>Vor dem Hintergrund dieser Verschränkungen lassen sich folgende Leitfragen formulieren: Auf welche Weise wirkt Kunst jeweils an den Entgrenzungs- und Verzeitlichungsstrategien der Arbeit mit? Welche alternativen Zeitmodelle entwickelt sie – etwa „zugunsten des Müßiggangs“, als Ent-schleunigung, Rhythmisierung, Unterbrechung? In welcher Weise greift sie die Wiederholungs- und Automatisierungstendenzen moderner Arbeitsprozesse auf und integriert sie in ästhetische Selbstinszenierungen? Und inwieweit lassen sich dabei Korrespondenzen und Korrelationen ausmachen zwischen den ästhetischen Strategien um 1800 und einer Reflexion der Krise nach 1900 – etwa hinsichtlich einer Anthropologie der Leiblichkeit, einer Be- und Entgrenzung der Körper in Bezug auf ihr Verhältnis zum Raum und ihre Definition in der Zeit?</p>
<h2 id="arbeit">2) Arbeit, Autorschaft und Biopolitik</h2>
<p>Am Beginn der modernen Arbeitsanthropologie wie der modernen Werkästhetik steht die Idee der Selbstverwirklichung und Selbsterzeugung des Menschen durch Arbeit. Was sich in Abkehr vom christlichen Paradigma der Arbeit als Strafe in Folge des Sündenfalls bereits in der Renaissance abzeichnet, rückt um 1800 ins Zentrum des Arbeitsbegriffs: Originäre Schöpfung und souveräne Zeugung werden zum Inbegriff der Arbeit, und der Künstler als „Original-Genie“ wird zum Paradigma des autonomen, selbstbestimmten Individuums. Der Künstler und der Schaffensprozess lehnen sich dabei nicht nur an religiöse Schöpfermythen an, sondern greifen auch auf Semantiken der Biologie zurück. Der ästhetische Arbeitsbegriff wird durch die Verwendung des semantischen Felds der Zeugung naturalisiert und soll von technischen Herstellungsverfahren abgegrenzt werden: Die Autorschaft des autonomen Künstlers sei souveräne Zeugung eines lebendigen Körpers, nicht mechanische Herstellung künstlicher Automaten. Vorstellungen von Zeugung und Geburt treten an die Stelle von Fertigung und Produktion. Das ‚männlich’ konnotierte Feld der Arbeit korreliert auf diese Weise mit dem ‚weiblich’ konnotierten Feld biologischer Reproduktion, wobei bis ins 19. Jahrhundert der aktive Anteil an der Zeugung allein dem Mann zugestanden wurde. Begleitet wird dieser Naturalisierungsprozess von einer zunehmenden Pathologisierung des Müßiggangs als dem ästhetischen Alternativmodell zum Arbeitsparadigma. Unter Rückgriff auf die negativ konnotierten Ausformungen des Müßiggangs in antiken und mittelalterlichen Melancholie- und Acedia-Konzepten wird der naturhaften Erzeugung des lebendigen Kunstkörpers der krank- und wahnhafte Müßiggang gegenübergestellt. Diese doppelte Überlagerung des Arbeitsparadigmas mit dem semantischen Feld der Biologie im Rahmen der Ästhetik seit 1800 wird auch für die Krise des Arbeitsbegriffs im 20. Jh. wieder relevant. Das Ende der Werkästhetik ist begleitet vom „Tod des Autors“, d.h. vom Ende des Selbstschöpfungsmythos, der den Künstler zum vorbildlichen autonomen Subjekt stilisiert hat.</p>
<p>Parallel zum Autonomiediskurs zeichnet sich bereits ab dem Ende des 18. Jh. eine Übertragung/Erweiterung dieses Selbstschöpfungsmythos auf den Bereich moderner Biopolitik ab. Die Frage der Macht über das Leben wandelt sich im Verlauf der Moderne immer mehr zu der Frage nach der Macht, Leben herzustellen bzw. zu steigern, zu intensivieren und ‚qualitativ’ zu optimieren. Es ist zu untersuchen, in welcher Weise die Verschränkung von Gouvernementalität und Ökonomie hier auf ein in der Kunst vorgeprägtes Paradigma zurückgreift, bzw. inwieweit Kunst und politische Ökonomie im Wechselspiel dieses neue Wissen vom Menschen konfigurieren.</p>
<h2 id="aesthetik">3) Ästhetik, Arbeit und die Gestaltung von Kollektiven</h2>
<p>Moderne Arbeitsanthropologie und Autonomieästhetik verbinden sich über die gemeinsame Idee der selbstbestimmten, freien Gestaltung des Werkes, das als Werk denjenigen, der es schafft, seinerseits als freies Subjekt konstituiert. Diese Idee der befreienden Selbstkonstitution betrifft seit dem 18. Jahrhundert nicht nur den schaffenden Künstler, sondern wird auch auf seine Übertragbarkeit auf andere gesellschaftliche Bereiche und Produktionsformen überprüft. Das ästhetische Konzept der freien, selbstbestimmten Gestaltung wird so zum Leitfaden unterschiedlichster politischer Programme. Der „ästhetischen Erziehung des Menschen“ mit ihrem bürgerlich-liberalen Freiheitsideal und der marxistischen Redefinition des Arbeiters als politisches Subjekt der Emanzipation stehen die faschistische Politik der umfassenden Erzeugung und Gestaltung des Staats- und Volkskörpers als homogenes Werk durch die Aneignung und Einverleibung und/oder die Exklusion und die Auslöschung des Fremden entgegen.</p>
<p>Im späten 20. und 21. Jh. entstehen im Zuge der Übertragung künstlerischer Produktionsformen auf Prozesse des Zusammenarbeitens und -lebens in Wirtschaft und Gesellschaft wiederum neue Debatten über Kollektivität und damit auch neue Ansätze für die politische Theorie und Praxis. Reflexionen und Definitionen der künstlerischen Arbeit im Sinn einer sozialen, „relationalen Ästhetik“ (Bourriaud) beeinflussen Verständnis und Gestaltung von Politik: Offene, dynamische Kollektive gewinnen an Prominenz gegenüber Institutionen und festen Strukturen; die dezentrale, kollektive „Kreativität“ des Findens lokal und zeitlich spezifischer Lösungen etabliert sich als Leitwert, während generalisierende, sich durch den Bezug zur Einheit eines Ganzen oder die Allgemeinheit eines Verfahrens legitimierende Modelle des politischen Entscheidens in eine Krise geraten.</p>
<p>Das Netzwerk untersucht die unterschiedlichen Orientierungsfunktionen des ästhetischen Herstellungsparadigmas für gesellschaftliche und politische Prozesse. Gefragt wird zum einen historisch nach der Rolle eines am Ästhetischen ausgerichteten Arbeitsbegriffs für totalitäre Herrschaftsentwürfe und für deren Kritik. So lässt sich etwa im Rahmen ontologischer, typologischer und morphologischer Konzeptionen bei Heidegger und Jünger eine Verbindung von Arbeit und Kunst über die Idee der Gestaltung und Formung finden. Umgekehrt erfolgt der kritische Umgang mit dem Faschismus im Rahmen psychoanalytischer Arbeitskonzepte in Form von „Auf- und Durcharbeiten“ sowie unter Rückgriff auf die um 1800 etablierten Konzepte von Bildung und Erziehung. Zum anderen sollen aktuelle Tendenzen in der postfordistischen Organisation von Arbeit und Leben daraufhin befragt werden, welche neuen Formen der Ästhetisierung von Ökonomie und Politik sich im 21. Jahrhundert ausbilden.</p>
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